Geschmacksfragen
Seit nunmehr 61 Jahren bereichert die Berlinale die deutsche Hauptstadt um ein kulturelles Highlight mehr. Als kleiner Geheimtipp mit Anti-Blockbustern startend, erfreute sich die Berlinale schnell großer Beliebtheit und war plötzlich in aller Munde. Mittlerweile ist aus dem Underground-Filmfestival ein internationales Großereignis geworden, das durchaus mit Cannes mithalten kann oder es sogar übertrifft, um ein wenig Lokalpatriotismus einzustreuen. Regisseure aus nahezu aller Herren Länder nehmen begeistert teil und stellen ihre Werke vor, was wiederum tausende Touristen sowie einheimische Besucher anlockt. Doch wer bestimmt eigentlich über die Auswahl der gezeigten Filme?
Gewinner und Verlierer
Die Berlinale-Richtlinien besagen, dass jeder seinen Film gegen eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 125 Euro einreichen kann, aber keine Aufnahme-Garantie gewährt wird. Logisch, denn das Festival dauert gerade mal 11 Tage und hat damit eine begrenzte Kapazität. Da allerdings Tausende von Bewerbungen erfolgen, stellen verschiedene Gremien, die jeweils für eine Sektion verantwortlich sind, in tagelangen Sichtungssitzungen die endgültige Auswahl zusammen.
Ein Frage der Gerechtigkeit?
Obgleich es formale Kriterien für die Aufnahme geben mag, wie die Darstellung verfassungskonformer Inhalte (auf Deutschland bezogen), bleiben die Entscheidungen subjektiv. Das löst bei den Regisseuren abgelehnter Werke natürlich keine Freudentränen aus, aber sie kennen die Bedingungen. In der Regel erfahren wir nicht welche Filme abgelehnt werden, aber dieses Jahr gibt es eine Ausnahme: Uwe Bolls "Auschwitz". Der bisher wenig erfolgreiche deutsche Filmemacher, Produzent und Drehbuchautor hat allerdings kein Verständnis für die Verschmähung und sieht sich einer willkürlichen Schikane ausgesetzt. Deshalb möchte er die Berlinale nun im Namen aller Ausgeschiedenen verklagen! Ob die anderen Ausgeschiedenen jedoch mit Boll in einen Topf geworfen werden wollen, ist zu bezweifeln.
Ungetrübter Genuss
Die Veranstalter der Berlinale betrachten die Klage mit entspanntem Blick und so können auch wir Bolls harsche Vorwürfe als Trommelwirbel für seinen umstrittenen Low-Budget-Film über ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte ansehen. Dem Glanz und der Herrlichkeit der Berlinale schadet diese negative Kritik in keinster Weise, weshalb sie dieses Jahr wieder ein voller Erfolg war und es auch die nächsten sein wird.